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„Paul-von-Below-Lugowen – Gedächtnispreis“

Auch das 12. Trakehner Rennen ist einer großen, charismatischen hippologischen Persönlichkeit Ostpreußens gewidmet: Am 23. September 1880 wurde Paul v. Below, Herr auf Lugowen, geboren. Lugowen war ein alter Herrensitz, unweit der Kreisstadt Insterburg gelegen. Die Garnisonsstadt war insbesondere als Sitz des gleichnamigen Turnier- und Rennvereins und Austragungsort der Insterburger Turnierwochen weit über Ostpreußens Landesgrenzen bekannt. Auch von daher gestaltete sich die Verbindung Paul v. Belows zum Turniersport, aber auch zur Zucht edler, leistungsbetonter ostpreußischer Warmblutpferde Trakehner Abstammung sehr eng. Zudem war einer seiner Vorfahren schließlich der große Hippologe Friedrich Carl Ludwig v. Below, als Landstallmeister von Litauen (1789 – 1814) der Vorgänger von Wilhelm Carl Friedrich v. Burgsdorff, dem wohl größten und bedeutendsten aller Landstallmeister von Trakehnen.


Lugowen

Fast zwanzig Jahre, von 1925 bis in die letzten Jahre des zweiten Weltkrieges war er „Hauptvorsteher“ des Turnier- und Rennvereins Insterburg und von daher verantwortlich für die Ausrichtung des alljährlichen internationalen Turniers. „Pulle Below“ war ein Grandseigneur und zu seiner Zeit nicht nur in ostpreußischen Pferdezüchterkreisen ein Begriff – dazu als engagierter Reiter mit Herzblut, Mut und Kämpferwillen in allen Sätteln gerecht. Erinnert sei an seine vielen Turnierpferde Penelope, Plati, Hummel, Zaide, Jäger und natürlich Pippa und Puppchen. Mit Puppchen gewann Paul v. Below unter vielen anderen großen Prüfungen auch den großen Preis von Ostpreußen in Insterburg. Er hatte den Nana Sahib x- Sohn sechsjährig erworben - als richtigen „Verbrecher" für 500 RM, weil er biss und schlug und keiner mit ihm fertig wurde. Mit viel Geduld und guter Pflege des Lugowener Kutschers Fritzchen wurde er lammfromm und von seinem Besitzer zu einem der besten Springpferde Ostpreußens ausgebildet. Beide waren in der ganzen Provinz bekannt und sogar berühmt. Diese Berühmtheit bezeugt auch diese Anekdote: Als Paul v. Below einmal im Auto vor einer Bahnschranke in Insterburg wartete und der Zug kam und kam nicht, trat der Schrankenwärter an den Wagen und meinte: „Na, Herr v. Below, wenn Sie nun dem Puppchen hätten, dann wären Sie schon rübergesprungen!" Als der Wallach alt wurde, wurde er ab und zu von den Below-Kindern geritten, meistens lief er aber auf dem Wirtschaftshof herum und war zu allen freundlich. Puppchen wurde 33 Jahre alt und genoss sein Gnadenbrot sehr. Nach seinem Tod wurde er hinter dem Stall beerdigt.


Paul v. Below auf Puppchen

Später fand neben Puppchen auch der Angloaraberhengst Nana Sahib x seine letzte Ruhestätte. Er war nach langen, erfolgreichen Jahren als Hauptbeschäler in Trakehnen nach Lugowen gekommen, fand hier bis zu seinem Tod am 27.Oktober 1926 eine neue Wirkungsstätte und hinterließ eine wunderbare Nachzucht.


Nana Sahib X

Und dann die unvergessenen herbstlichen Insterburger Turniertage auf dem Turnierplatz Georgenhorst: Viele vorbereitende Stunden mit Erich Woelki, dem Initiator des Turniergeschehens, verbrachte Paul v. Below vor diesen großen Tagen. Größen des internationalen Turniersports wurden erwartet, darunter Harald Momm, Marten v. Barnekow, Ernst Hasse, Käthe Franke, Irmgard v. Opel und viele andere. Nicht zu vergessen auch die ländlichen Reiter mit ihren ostpreußischen Pferden, stellvertretend Oskar Lengnick mit Herold, auch Gewinner der Pardubitzer Steeplechase. Insterburg wurde zur Turnierstadt des Ostens und trug ein springendes Pferd im Poststempel.

Zahlreiche Anekdoten aus alten Schriften ranken sich um die Ereignisse rund um das Turniergeschehen: So gewann Paul v. Below mit vier selbstgezogenen Schimmelstuten von Nana Sahib x den Viererzugwettbewerb. Ein paar Jahre später war ein Fünferzug nach ungarischer Anspannung mit diesen Schimmelstuten ein noch größerer Erfolg. Bei der Ehrenrunde nach dem Sieg klatschte das Publikum so begeistert, dass die Stuten rettungslos durchgingen. Zum Glück war der Insterburger Platz groß genug, so ließ der Fahrer auf dem Bock die Pferde einfach laufen und es passierte nichts.


Nana Sahib X's Kinder

Aber es gab auch lustige Erlebnisse: Nach einer Dressurprüfung schickte Paul v. Below seine Pferde mit Kutscher Fritzchen auf den 30 km langen Heimweg, natürlich zu Fuß. Nur für längere Reisen wurde mit der Bahn verladen. Nun war jedoch kein Pferd mehr für die Preisverleihung anwesend, da der Reiter den zweiten Platz errungen hatte. Kurz entschlossen hängte sich Paul v. Below an den Schweif des Erstplatzierten und galoppierte zu Fuß die Ehrenrunde mit.

Nach einem anderen Turnier saß man noch in Königsberg in froher Runde zusammen und jeder lobte seine vielseitigen und gehorsamen Pferde über den Klee. Die Lugowener Pferde waren bekannt dafür, dass sie Jagdrennen und Springen gingen. Aber damit nicht genug, Paul v. Below wettete, dass sie auch vor dem Pflug gehen würden. Unmöglich, riefen alle! Die Wette galt. Es wurden Fotos zum Beweis gemacht und wirklich: Plati, Hummel, Penelope und Jäger standen angeschirrt vor dem Pflug auf dem Feld. Kaum zu glauben, die Wette war gewonnen, wie alle sich überzeugen konnten. Was aber keiner genau gesehen hatte: Alle Pferde hatten keine Stränge am Geschirr.

SIn seinen letzten Jahren ritt Paul v. Below am liebsten Hanna, eine Schimmelstute von Nana Sahib x. Paul v. Below schloss am 24.August 1943 seine Augen für immer. Zurückblickend bleiben die Erinnerungen an einen großen Pferdemann, der als Mensch, Reiter, Züchter und Landwirt in seiner ritterlichen und humorvollen Art stets Vorbild war – immer bereit, auch seinen Angestellten mit Rat und Tat zu helfen. Eine glückliche Fügung hat ihn die Flucht, das Kriegsende und den Untergang Lugowens nicht mehr erleben lassen. Seine Kinder Dieter, Illy und Luli gelang die Flucht nach Westdeutschland und setzten alles daran, die Erinnerungen an ihren Vater und Lugowen weiterhin mit Leben zu erfüllen – Dieter v. Below nicht zuletzt durch seine zahlreichen Busreisen in seine Heimat, Ostpreußen – als einer der ersten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs.

Erhard Schulte


Constanze


Trakehner